»Um einander zu achten, muss man sich zunächst kennen.« (Pierre de Coubertin)

Pierre de Coubertin
In diesem Jahr fanden wie alle (vier) Jahre wieder die Olympischen Spiele in Peking statt und den meisten ist sicherlich die Jagd der Nationen nach möglichst vielen Medaillen noch in guter Erinnerung. Daher wollte ich hier mal die provokante Frage stellen:

Brauchen wir Iaido als olympische Disziplin ?



Zugegeben, die Medailenvergabe wäre vermutlich recht einseitig, da bei einer Stadtteilmeisterschaft in Tokio wahrscheinlich genau so viele Iaidokas antreten wie in Europa bei den jeweiligen nationalen Meisterschaften, aber haben die Deutschen nicht auch ein Abonnement auf Gold beim Dressurreiten?

Die Frage ist: Taugt Iaido denn überhaupt als Wettkampf-Disziplin? Das Spektrum der Meinungen könnte sicherlich breiter nicht sein. Von der totalen Ablehnung hin zur Betonung des sportlichen Charakters des Iaido ist alles vertreten. So ein wenig kommt der Verdacht auf, jeder nimmt sich genau das raus, was er möchte.

Was sind die Extrempunkte?

Auf der einen Seite die Vertreter des sportlichen Wettkampfs. Da man für einen Wettkampf ein Kriterium "Richtig - Falsch" braucht und damit fest vorgeschriebene Regeln, setzt der Wettkampftyp zwangsläufig auf die strikte regelkonforme Ausübung bzw. Ausführung der Formen. Andere Sichtweisen, Improvisation, unkonventionelle oder gar selbstentwickelte Ansätze sind ihm bestenfalls suspekt. Motto: "Wofür brauche ich denn das?" Der Wettkampftyp ist begierig auf Lehrgänge und Wettkämpfe und ist daher auch immer bereit zu einem selbigen zu reisen.

Dem gegenüber stehen die Vertreter, die Iaido als (rein) geistige Disziplin sehen. Die Katas sind nur da, um einen tieferen Sinn zu vermitteln. Transzendenz auf andere Felder, ganzheitliche Betrachtung und die Anwendbarkeit im Alltag werden gross geschrieben. Diesem Vertreter sind die meisten Wettkämpfe und Lehrgänge zuwider, es sei denn er kann einen wirklichen japanischen Meister sehen, der die reine Lehre übermittelt. Erfolg und Graduierungen hingegen interessieren ihn jedoch nicht im geringsten. Motto: "Nur die Lehre des Zen vermittlelt im Iai Erkenntnis. No sports!"

Ein alternativer Vertreter ist der Individualist. Der Individualist zeigt wenig Neigung sich der herrschenden Lehrmeinung unterzuordnen. Er besteht darauf, das was er tut auch verstehen zu wollen. Einfache Erklärungen wie: "Das macht man in Japan halt so, denk dir nichts dabei" treiben ihn den Schweiss der Verzweiflung auf die Stirn. Daher sind ihm Wettkämpfe und Lehrgänge meist auch suspekt, denn mit dem Iai-Standard kann der Individualist nichts anfangen. Feuer und Flamme ist er nur, wenn er was lernen kann, was er noch nicht kennt. Motto: "I do it my way!"

Es bleibt jedem selber überlassen sich in die richtige Gruppierung einzuordnen. Klar scheint mir jedoch, dass es sehr schwierig wird Iaido als eine Wettkampf-Disziplin zu fassen, weil die Bandbreite des Iai viel zu weit gefasst ist, als dass eine Verengung auf eine Wettkampfdisziplin erstrebenswert wäre. Dies würde zwangsläufig dazu führen, dass wichtige Bereiche des Iai einfach fehlen. Und wie heisst es so schön: das Ganze ist mehr als nur die Summe aller Teile. Ohne tiefergehende Motivation ist das Iai eben nicht mehr als rythmische Sportgymnastik, nur eben mit Schwert.
Genau das macht Iaido aus meiner Sicht eben auch so attraktiv für jede Altersgruppe. Viele Personen fangen mit Iaido erst sehr spät an. Dies ist einer der fundamentalen Unterschiede zu anderen Sportarten. Diese Personen kommen explizit deshalb, weil sie etwas über sich selber lernen und erfahren wollen. Auch wenn sie Anfänger im Iai sind, stehen hinter diesen Anfänger Menschen mit zum Teil gewaltiger Lebenserfahrung. Diese Leute haben Fragen, die nicht durch Taikais beantwortet werden können.

Soll das heissen, dass Iai völlig ohne Wettkampf auskommen sollte? Keinesfalls. Nichts spricht dagegen an einem Taikai ob national oder international teilzunehmen, solange man die Bedeutung richtig einordnen kann! Zudem bedeutet Wettkampf speziell internationaler Wettkampf auch Austausch und die Möglichkeit einmal etwas anderes als den Alltag kennenzulernen. Pierre de Coubertin, der Begründer der Olympischen Spiele der Moderne, sah diese als ein Treffen der Jugend der Welt, das sowohl den sportlichen Vergleich, als auch die Völkerverständigung befördern sollte. Daher warnte er auch als Pädagoge davor, dass es bei den olympischen Spielen nicht um das Siegen gehe, sondern um das Teilnehmen. Zitate von Pierre de Coubertin sind:

"Teilnehmen ist wichtiger als Siegen.",

"Um einander zu achten, muss man sich zunächst kennen."

und

"Das Wesentliche ist nicht zu siegen, sondern sich wacker geschlagen zu haben."

Leitlinien, die auch im Iaido beherzigt werden sollten.

In diesem Sinne: Lets go for London 2012!!!